Schlachthäuser & Schlachtfelder
Solange es Schlachthäuser gibt, wird es auch Schlachtfelder geben, soll ein berühmter Denker mal gesagt haben. Die Schlachten sind spürbar. Während tierausbeutende Firmen mit tierleidfreien Alternativen den Markt ausschlachten, zieht die Tierrechtsszene ein um das andere mal gegen sich selbst in den Krieg. Wir kannibalisieren uns.
Während tierleidfreie Produkte tierausbeutender Konzerne trenden, trenden in der Tierrechtsszene unkritische, anti-emanzipatorische, sexistische und rassistische Gruppierungen. Meist schlichtweg aus blindem Desinteresse. Oft aus Unwissenheit toleriert. Das konsumistische Motto: Schneller, höher, weiter. Kein oberflächliches Gespräch, das nicht gleich als dauerhafte erfolgreiche Veganisierung vermarktet wird. Für sich und für andere. Ein irrationaler Quantitäts-Fetisch. Kritik wird verschleiert, vergessen, verdrängt. Beinnahe wie beim Schlachten.
Bear witness, heißt es. Bezeugen, was passiert. Hinter den Schlachthofmauern und den Blechverkleidungen der Tiertransporter. Aber bloß nicht in den eigenen Reihen. Ein Selfie. Alles gut. Während wir wünschten, alle Schlachthäuser hätten Wände aus Glas, dass die Menschen endlich sehen, was hier passiert, schauen wenige gern hinter die Fassaden derer, denen sie folgen. Wenn eine Bewegung Rechte für Dritte fordert und dabei die eigenen missachtet, dann hat diese Bewegung ein Problem.
Wenn eine Bewegung Rechte für Dritte fordert und dabei die eigenen missachtet, dann hat diese Bewegung ein Problem.
Menschen & Tiere
Menschen sind Tiere. Ergo sind Tierrechte Menschenrechte. Die Diskriminierung von Geschlechtsidentitäten, der schlechte Umgang mit Aktiven, die Ausbeutung von Mitarbeitenden, die fehlende Wertschätzung für die eigenen Angestellten in NGOs. Das An-den-Pranger-Stellen. All das ist nicht vereinbar.
Doch Umbruch ist zu spüren. Die Maskerade fällt. Der Widerstand hat Fahrt aufgenommen. Die Chance ist da. Die Chance, zu verstehen, dass wir alle eins sind. We are all one. Die Ausbeutung der Natur, der nichtmenschlichen wie der menschlichen Tiere, sie alle haben EINE Wurzel. Ihr müssen wir zulaibe rücken. Gründlich, ganz und gar, vollständig. Schlichtweg vom Lateinischen abgeleitet: radikal.
Nachhaltig & ganzheitlich
Diesen Kampf gewinnen wir nicht, indem wir monothematisch an Symptomen herumdoktorn. Beim Veganen halt machen. Diesen Kampf gewinnen wir nur, wenn wir ihn nachhaltig und ganzheitlich kämpfen. Wenn wir endlich verstehen, dass wir jeden Tag eine Schlacht führen. Auch und vor allem eine gegen unsere eigenen Werte und Wünsche.
Wollen wir das Schlachten beenden, müssen wir damit aufhören, uns selbst zu opfern. Für Geld, Gemütlichkeit und Ansehen. Heute Flaggenschwenken, morgen Bürostuhldrehen. Widerstand in der Freizeit. Weils halt so sein muss. Das System verlangt es. Das gleiche System, das die Tötung von Tieren verlangt. Warum ihm ausgewählt hörig sein?
Sich & andere befreien
Wir alle treten für die gesellschaftliche Befreiung der Tiere ein. Wir möchten sie aus den sozialen, kulturellen und institutionalisierten Gewaltverhältnissen herauslösen. Während wir uns oder andere weiterhin selbstverständlich in diese zwängen und zwingen?
Jeden Tag dulden wir Gewalt. Physisch und psychisch. Gegen uns und Dritte. Akzeptieren wir. Schauen wir zu. Wollen wir lieber so weiter machen wie bisher, weil alles andere ungemütlich wäre. Probleme mit sich bringt. Anstrengungen abverlangt. Selberdenken und vor allem aktives Handeln fordert. Genau die Dinge, die wir jenen, die noch nichtmenschliche Tiere ausbeuten, abverlangen.
Zeit für Authentizität und Integrität. Schluss mit Ausreden und Gemütlichkeiten. Wir wollen den Tieren die Fesseln lösen, während wir unsere eigenen Fußketten schönreden. Wollen wir von anderen, dass sie sich verändern, sollten wir uns selbst verändern. Wenn wir nicht auf uns schauen und nicht auf andere, wie sollen wir ein Vorbild für andere sein, auf Dritte zu achten?
Schluss!
Schluss mit Speziesismus. Schluss mit Sexismus und Rassismus, auch und gerade in den eigenen Reihen. Schluss mit menschlicher Selbst- und Fremd-Ausbeutung in den eigenen Reihen. Bear witness!
Wollen wir DAS Schlachten beenden, müssen wir DIE Schlachten beenden.
Weltweit. Aber auch hier und jetzt. Unter uns.
One struggle. One fight.
Wollen wir DAS Schlachten beenden, müssen wir DIE Schlachten beenden.

Dieser Redebeitrag wurde am 10. August 2019 in München auf dem großen Finale der Demoreihe Schließung aller Schlachthäuser von ARIWA – Animal Rights Watch e.V. gehalten.