Tierquälerei auf dem Oktoberfest РPresse-Statement

- ein Statement von Viktor Gebhart -
Mittelalterliche Tiershows

Die Unterhaltungsindustrie boomt, nie zuvor gab es derart viele Optionen, sich unterhalten zu lassen. Selbst althergebrachte Unterhaltungsangebote haben den Geist der Zeit erkannt und längst auf moderne Varianten umgesattelt. Das Oktoberfest macht es mit all seinen Fahrgeschäften vor.

Inmitten dieser riesigen und stetig wachsenden Auswahl trotzen jedoch einige wenige Gewerbe hartn√§ckig und mit allen Mitteln der Zukunft. Sie verwenden weiterhin Tiere als Attraktionen und aus Gr√ľnden vermeintlicher Tradition – finsterstes Mittelalter mitten im 21. Jahrhundert. Auf Ausbeutung basierende Tiershows bunt und fr√∂hlich vermarktet.

Offenkundige Tierschutzvergehen

Seit Jahren beobachte ich die M√ľnchner Volkfeste, habe ich immer wieder Verst√∂√üe gegen das Tierschutzgesetz dokumentiert, Anzeige erstattet und die Politik informiert. Verhaltensst√∂rungen und Leid bei den Ponys im Ponykarussell durch das stundenlange monotone Kreislaufen. Apathische und tote M√§use im M√§usezirkus. Unn√∂tige Dressuren der Fl√∂he im Flohzirkus. K√∂rperliche und seelische Sch√§den bei den Brauerei-Pferden durch Dauerstress und lautes B√∂llern bei der Er√∂ffnung. Die Liste der Tierschutzvergehen ist lang, bekannt und wird geduldet.

Ein Leben auf Beton, hinter Gittern und Glas. Unter unpassenden klimatischen Bedingungen. Transporte unter Mangel von Platz und Versorgung. Der nat√ľrlichen Bed√ľrfnisse beraubt. Mit schweren Verhaltensst√∂rungen und erh√∂hter Sterblichkeit gestraft. Kaum gute tier√§rztliche Versorgung, Dressur unter Einsatz von physischer und psychischer Gewalt und Zwang. Laute Musik, grelle Lichteffekte umliegender Fahrgesch√§fte und der Besucherl√§rm. Volksfeste sind kein Spa√ü f√ľr Tiere. Die den Tieren arteigenen nat√ľrlichen Bed√ľrfnisse und W√ľnsche k√∂nnen hier per se nicht befriedigt und gew√§hrt werden.

Volksfeste sind kein Spa√ü f√ľr Tiere. Die den Tieren arteigenen nat√ľrlichen Bed√ľrfnisse und W√ľnsche k√∂nnen hier per se nicht befriedigt und gew√§hrt werden.

Viktor Gebhart
Keinerlei Konsequenzen

Dennoch findet das r√ľckst√§ndige Treiben kein Ende, wird der Ausbeutung von Tieren auch auf dem gr√∂√üten Volksfest der Welt kaum Einhalt geboten. Ernsthafte Konsequenzen gibt es selbst bei dokumentierten und gemeldeten Verst√∂√üen so gut wie nie. Wie so oft ist es eine politische Minderheit, die der Zukunft entgegensteht und das unn√∂tige Tierleid weiter gew√§hren l√§sst.

Veterin√§r√§mtern sind oft die H√§nde gebunden, durchgreifende Gesetze fehlen, die geltenden Leitlinien sind eine Farce und nicht wirklich rechtskr√§ftig. Nicht wenige lokale Beamt*innen sind froh, wenn der Trubel schnell vorbei ist und keine zus√§tzliche Arbeit anf√§llt. Ein so dringend n√∂tiges Tierverbot scheitert nicht an der Masse, die es im R√ľcken hat, sondern an den pers√∂nlichen Befindlichkeiten einiger weniger ‚Äď ein uns√§glicher Skandal.

Persönliche Befindlichkeiten & Lobbyismus

Josef Schmid (CSU), der ehemalige 2. B√ľrgermeister M√ľnchens, brachte 2016 auf einer Stadtratssitzung, der ich beiwohnte, die emotionale Faktenblindheit der Verantwortlichen treffend auf den Punkt. So argumentierte er als Antwort auf den Antrag auf ein Verbot des Ponykarussells, bei dem ich mitgewirkt hatte, dass er nicht “die gl√§nzenden Augen” seiner Enkeltochter missen m√∂chte, wenn sie auf einem Pony sitzt. Der Stadtrat lehnte daraufhin den Antrag auf ein Verbot ab.

Argument “Begegnung Kind – Tier”

Jegliche gern vorgebrachte Ann√§herung von Mensch und Tier ist eine, bei der insbesondere Kindern ein falsches Bild von Tieren vermittelt wird: Statt eines liebe- und respektvollen Umgangs lernen sie bei derartigen Betrieben ausschlie√ülich, dass Tiere nicht mehr sind als Maschinen, die durchgehend funktionieren m√ľssen und nach Belieben zur Bespa√üung missbraucht werden d√ľrfen.

Argument “Berufsverbot”

Die von tierf√ľhrenden Schausteller*innen und ihren Unterst√ľtzer*innen gebetsm√ľhlenartig vorgetragene Behauptung, ein Ende der Tierdressuren w√ľrde einem Berufsverbot gleichkommen und sie in Existenzn√∂te versetzen, ist klar widerlegbar. So gut wie alle Schausteller*innen haben nachweislich weitere Fahrgesch√§fte und Buden. Somit ist eine finanzielle Notlage durch ein Verbot auszuschlie√üen.

Argument “Tradition”

Die Begr√ľndung, die Zurschaustellung von Tieren habe ‘Tradition’, rechtfertigt in keiner Weise das offensichtliche Leid, dem die Tiere auf Volksfesten ausgesetzt sind. Abgesehen davon, dass es keine f√ľr k√ľnftige Generationen zu √ľbermittelnde wertvolle ‘Tradition’ ist, auf Ponys im Kreis zu reiten, Fl√∂he und M√§use zu Kunstst√ľcken zu n√∂tigen und Brauerei-Pferde als Zugmaschinen zu missbrauchen, rechtfertigt Tradition niemals Unrecht.

Abgesehen davon, dass es keine f√ľr k√ľnftige Generationen zu √ľbermittelnde wertvolle ‘Tradition’ ist, auf Ponys im Kreis zu reiten, Fl√∂he und M√§use zu Kunstst√ľcken zu n√∂tigen und Brauerei-Pferde als Zugmaschinen zu missbrauchen, rechtfertigt Tradition niemals Unrecht.

Viktor Gebhart

Tiere als lebendige Attraktionen zu benutzen, ist schlichtweg Tierqu√§lerei und absolut unn√∂tig. Tradition ist kein Muss, sondern eine Abw√§gungssache. Bei den Tierbetrieben √ľberwiegt der den Tieren zugef√ľgte Schaden ganz klar den vermeintlichen Spa√ü der Volksfestbesucher*innen und den Profit der Schausteller*innen.

Traurige Tieraugen unterhalten nicht

Die Besucher*innen der Wiesn sind schlau genug, zu erkennen, dass es den Tieren auf einem lauten Volksfest nicht gut gehen kann. Das ist kein Geheimnis. Nie w√ľrden sie ihre*n tierischen Mitbewohner*in diesem Stress aussetzen.

Gerade auf dem Oktoberfest gibt es gen√ľgend Schaustellerbetriebe und Attraktionen, die Besucher*innen jeden Alters begeistern – von zahlreichen verschiedenen Achterbahnen und Kinderkarussells bis hin zu Irrg√§rten, Geisterbahnen und dem Riesenrad ‚Äď alles Attraktionen, die ohne den Einsatz von Tieren auskommen und f√ľr gute Unterhaltung sorgen. Und darum geht es ja, gut unterhalten zu werden und gemeinsam Zeit mit seinen Lieben zu verbringen. Traurige Augen gebrochener Tiere stehen dem nur im Weg.

Simple Lösung

Ein generelles Tierverbot ist nicht nur der einzige und zeit- und kosteng√ľnstigste Weg, echten Tierschutz zu garantieren, sondern eine derartige Entscheidung ist eine mit Herz und Verstand. W√ľrden tierf√ľhrende Schaustellerbetriebe in einer Gro√üstadt wie M√ľnchen auf dem weltweit gr√∂√üten und bekanntesten Volksfest verboten, h√§tte M√ľnchen eine Vorbildfunktion f√ľr die ganze Welt.

Ich bitte alle Gro√üeltern und Eltern darum, auf ihr Herz zu h√∂ren und die Tierattraktionen zu meiden. Eine Stadt, die sich ‘Weltstadt mit Herz’ tituliert, soll und darf dieses auch zeigen!

Dieses Presse-Statement wurde u.a. von der Abenzeitung M√ľnchen aufgegriffen. Den zugeh√∂rigen Artikel finden Sie hier.

P.S.: Wissen ist nur Macht, wenn wir es anwenden und mit anderen teilen: