Ich habe keinen Traum – Rede zu Tierversuchen am MPI

- eine Rede von Viktor Gebhart -
Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen

Ich habe keinen Traum. Denn Tr├Ąume sind Sch├Ąume, bis ich sie wahr werden lasse und sie verwirkliche. Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen. Ich will, dass Tierversuche abgeschafft werden – in T├╝bingen wie ├╝berall auf der Welt. Deswegen bin ich heute hier. Deswegen sind wir alle heute hier. Wir wollen nicht mehr dulden, was auf dieser Welt passiert mit Tieren, die Lebewesen sind, mit Gef├╝hlen und Bed├╝rfnissen wie wir.

Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen. Ich will, dass Tierversuche abgeschafft werden – in T├╝bingen wie ├╝berall auf der Welt. Deswegen bin ich heute hier.

Viktor Gebhart

Ich will nicht mehr nur tr├Ąumen. Ich will, dass aus all den Wutentbrannten – hier in Deutschland und auf der ganzen Welt – Mutentbrannte werden. Ich will, dass kein Tier mehr in grausamen Versuchen leiden und sein Leben lassen muss. Denn sein Leben ist das, wof├╝r es auf diesem Planeten ist, nicht f├╝r uns und nicht f├╝r den Profit. Es geht nicht darum, welche Tiere ob, wie und in welcher Art und Weise leiden k├Ânnen. Es geht um ihr Leben.

Wie es uns auch bei der Ablehnung von Menschenversuchen einzig und allein um das Leben an sich geht. Es geht darum, dass wir anderen nicht antun sollen, was wir selbst nicht wollen, das uns angetan wird. Die einfachste und wichtigste Regel f├╝r mich in dieser Welt. Hier in T├╝bingen wird sie konsequent gebrochen. Vors├Ątzlich und paradoxerweise.

Wir sollen anderen nicht antun, was wir selbst nicht wollen, das uns angetan wird. Die einfachste und wichtigste Regel f├╝r mich in dieser Welt. Hier in T├╝bingen wird sie konsequent gebrochen.

Viktor Gebhart
Paradoxe Argumentation

Die Tierversuchsbef├╝rworter*innen argumentieren, Tierversuche seien u.a. n├Âtig, um Erkenntnisse f├╝r den Menschen und dessen Gesundheit zu gewinnen. Damit machen sie einen Fehler. Denn sie setzen menschliche und nichtmenschliche Tiere gleich. Zwangsl├Ąufig und unweigerlich. Sie rechtfertigen ihre Versuche moralisch jedoch damit, dass Tiere unter dem Menschen stehen, in einem anthropozentrischen Weltbild. Uns untergeordnet sind. Diese beiden Ansichten sind ein Widerspruch, ein Paradoxon.

Denn: Falls Tiere nicht sind wie wir, dann sind Tierversuche auch aus rein wissenschaftlicher Perspektive absolut sinnfrei, da nicht ├╝bertragbar. Und falls Tiere wie wir sind, m├╝ssen wir sie in unsere Moral miteinbeziehen. Und somit verbietet sich jeglicher Tierversuch von selbst und selbstredend. Genauso wie Menschenversuche auch.

Pr├Ąvention vs. Rehabilitation

Weiterhin argumentieren Tierversuchsbef├╝rworter*innen, Tierversuche seien zur Heilung von Krankheiten n├Âtig. Das ist wahrscheinlich ihr st├Ąrkstes Argument. Es ist aber ein rehabilitatives. Und ich m├Âchte euch ein weiteres Paradoxon aufzeigen. Sowohl Tierversuchsgegner*innen als auch ÔÇôbef├╝rworter*innen liefern sich Statistik-Schlachten, inwieweit und ob Tierversuche den medizinischen Fortschritt vorangetrieben oder verz├Âgert haben. Eine andere Perspektive wird jedoch meist au├čen vor gelassen. Auch in unseren Kreisen. N├Ąmlich die der Pr├Ąvention.

Wenn ich nicht krank bin, brauche ich keine Medikamente. Und wenn ich keine Medikamente brauche, dann brauche ich somit auch keine Tierversuche, um die Unbedenklichkeit dieser f├╝r uns zu gew├Ąhrleisten. Das klingt salopp dahergesagt, ├╝berspitzt und total realit├Ątsfremd, aber es birgt einiges an Wahrem. Denn die heutigen Zivilisationskrankheiten sind zwar teils genetisch determiniert, h├Ąngen aber ma├čgeblich von unserem Lebens- und Konsumstil ab: Wir essen und stressen uns krank, wir rauchen und saufen uns krank, wir gammeln und rammeln uns krank, wir strahlen und zahlen uns krank. Wir machen unseren K├Ârper sauer. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Wir ├╝bers├Ąuern unseren K├Ârper. Womit wir den N├Ąhrboden schaffen f├╝r viele der Krankheiten der heutigen Zeit.

Wir essen und stressen uns krank, wir rauchen und saufen uns krank, wir gammeln und rammeln uns krank, wir strahlen und zahlen uns krank.

Viktor Gebhart

Die Industrie hilft dabei massiv mit: Aktiv wie passiv, vors├Ątzlich wie gesetzlich. Und warum? Um des Profites Willen: Denn keiner verdient an Kerngesunden. Geld bzw. Kasse macht mensch mit Kranken. Deswegen ist kaum etwas ehrlicher in unserem Wortschatz als das Wort “Krankenkasse”: Kasse machen mit Kranken. Die Industrie, die uns mitunter erst krank macht, verspricht uns anschlie├čend die Heilung. Mit Mitteln, die zuvor an Tieren getestet wurden, unschuldigen Lebewesen. Tiere, die daf├╝r extra krank gemacht wurden, mit menschlichen Krankheiten, die sie eigentlich gar nicht h├Ątten. Ein Paradoxon. Gest├Ârt? Definitiv. Aber ein gewollter ├Âkonomischer Teufelskreis.

Perversion & Placebos

Eine pervertierte Industrie, der wir den Hahn zudrehen m├╝ssen. Wo wir nur ausbrechen k├Ânnen, aus diesem Teufelskreis, mit Pr├Ąvention, durch die Vorbeugung von Krankheiten. Denn bei etwa 50% der Medikamente weltweit ist die Wirkung nicht nachhaltig belegt. Das muss mensch sich mal vorstellen!

Die aktuelle Forschung hat es schwer, Beweise zu finden f├╝r die Wirkung von Medikamenten gegen├╝ber einfachen Placebos. Placebos sind Arzneimittel ohne wirklichen Wirkstoff, Leer-Pr├Ąparate, sog. Schein- und Pseudo-Medikamente. Die Statistik zeigt, dass die Masse der Medikamente in der letzten Pr├╝fphase durchf├Ąllt, ihr Wirkungsgrad somit gerade mal dem eines Placebos entspricht.

Eine pervertierte Industrie, der wir den Hahn zudrehen m├╝ssen. Wo wir nur ausbrechen k├Ânnen, aus diesem Teufelskreis, mit Pr├Ąvention, durch die Vorbeugung von Krankheiten.

Viktor Gebhart

Studien belegen, dass diese wirkstofffreien Pr├Ąparate oft die gleichen Therapieeffekte haben wie echte Medikamente. Das bedeutet hier, wo wir ja heute einen hoffnungsvollen Tag haben: Die Hoffnung der Patient*innen wirkt genauso stark wie der Wirkstoff selbst. Der Placebo-Effekt beruht dabei auf einer Erwartungshaltung bei den Patient*innen. Die Gabe von Placebos beruhigt. Es gibt kaum Krankheiten, bei denen dieser Effekt nicht nachgewiesen wurde. Befragungen unter ├ärzt*innen zeigen, dass immer mehr von ihnen auf dieses Wissen zur├╝ckgreifen und Placebos verschreiben.

Jetzt frage ich euch: Wenn das Interesse an und der Einsatz von Placebos steigt, gleichzeitig aber Tierversuchszahlen auch steigen, sprich: die wirkstofffreie Heilung zunimmt, das Testen mit Wirkstoffen an Tieren gleichzeitig aber auch ÔÇô ist das nicht paradox? Die Wirkstoffe der Medikamente werden konsequent ├╝bersch├Ątzt und dennoch m├╝ssen Millionen Tiere ihr Leben f├╝r sie lassen. Dabei soll es nicht um Profit gehen? Sondern um die Heilung unserer Krankheiten?

Die Wirkstoffe der Medikamente werden konsequent ├╝bersch├Ątzt und dennoch m├╝ssen Millionen Tiere ihr Leben f├╝r sie lassen. Dabei soll es nicht um Profit gehen?

Viktor Gebhart
Schutz, Ohnmacht & Wahrheit

Undercover-Ver├Âffentlichungen, Proteste wie der heutige hier und politischer Druck sind unerl├Ąsslich im Kampf gegen Tierversuche und gegen Tierqu├Ąlerei grunds├Ątzlich. Ebenso die Bildung und Aufkl├Ąrung der Bev├Âlkerung. Dennoch habe ich als Einzelperson mit Tierversuchen ein Problem: Ich habe wenig Impact, wenig pers├Ânliche Angriffsfl├Ąche. Denn Tierversuche sind meist gesetzlich vorgeschrieben, d.h. mein Konsum-Boykott ist schwer m├Âglich. Ich befinde mich in einer Ohnmacht, viel mehr als bei den meisten Tierrechtsthemen. Tierversuche geschehen unter dem Vorwand des “Schutzes”. Ein Schutz, den uns Wirtschaft, Politik und Forschung verkaufen wollen, denn sie lassen fast nichts ohne Tierversuche an uns heran.

In Wahrheit geht es jedoch um ungez├╝gelten Forschungsdrang, um Forschungsgeilheit, um Tradition, um Macht, um Karriere und um Profit. Denn echter Schutz startet pr├Ąventiv, hier gibt es jedoch kaum Investitionen. Wenn ich weniger rauche, dann senke ich damit das Lungenkrebsrisiko. Damit werden die meisten Medikamente f├╝r mich unn├╝tz und somit werden Tierversuche nicht ben├Âtigt.

In Wahrheit geht es um ungez├╝gelten Forschungsdrang, um Forschungsgeilheit, um Tradition, um Macht, um Karriere und um Profit. Denn echter Schutz startet pr├Ąventiv, hier gibt es jedoch kaum Investitionen.

Viktor Gebhart
Unser gr├Â├čter Einfluss

Gesundheit setzt sich aus drei ma├čgeblichen Faktoren zusammen: Unserer Biologie, auf die wir wenig Einfluss haben. Unserer Umwelt, auf die wir nur bedingt irgendeinen Einfluss haben. Und unserem eigenen Lebensstil und Verhalten innerhalb dieser Umwelt. Bez├╝glich Letzteren haben wir den ma├čgeblichsten Einfluss. Denn hier k├Ânnen wir immer sagen: nein! Wir k├Ânnen nein sagen zu Krankmachern und somit nein sagen zu Tierversuchen. Nein sagen zu einer pervertierten Industrie.

Also lasst uns das Ganze von hinten aufz├Ąumen. Lasst uns dem pervertierten medizinischen Profitsystem zuwiderlaufen. F├╝r die Tiere und f├╝r uns!

Wir k├Ânnen nein sagen zu Krankmachern und somit nein sagen zu Tierversuchen. Nein sagen zu einer pervertierten Industrie.

Viktor Gebhart

Ich habe keinen Traum, ich habe einen Willen, ich habe einen Plan. Kommt mit mir! Heute hier und jetzt und generell. F├╝r eine tierversuchsfreie Zukunft und Forschung. F├╝r die Rechte der Tiere. Denn Mitleid ist nicht genug!

Dieser Redebeitrag wurde am 28. November 2015 in T├╝bingen auf der Menschenkette gegen Tierversuche von SOKO Tierschutz gehalten. ┬ę Foto: SOKO Tierschutz.

P.S.: Wissen ist nur Macht, wenn wir es anwenden und mit anderen teilen: